Unsere Sommer-Ferienlektüre-Empfehlung

29. Juli 2018  Allgemein

(c) Jim Rakete

Unsere Sommer-Ferienlektüre-Empfehlung ist ein heiterer Schelmenroman über einen wahrhaft standhaften Sozialisten, im Buch auch als jemand bezeichnet, der mit einem Brett vor dem Kopf herumläuft, der an seine DDR glaubt.

Leseprobe:

„An diesem Sonnabend im Juli 1974, acht Tage vor meinem zwölften Geburtstag, weiß ich noch nichts von meinem Glück. Ich sitze auf der Terrasse eines Ausflugslokals nahe Waldau und warte darauf, dass jemand die Kellnerin von der Richtigkeit meiner Argumente überzeugt oder meine Rechnung in Höhe von vier Mark und fünfzig Pfennigen begleicht. Mehrmals habe ich ihr schon erklärt, über kein Geld zu verfügen, weder in meinen Hosentaschen noch dort, wo ich zu Hause bin, im Kinderheim Käthe-Kollwitz in Gradow an der Elbe.
„Geld ist doch nicht wichtig!“, sage ich und füge gleich darauf hinzu: „Solange ich ein Kind bin, muss unsere Gesellschaft für mich sorgen, egal, ob im Kinderheim oder auf einer Reise an die Ostsee.“
Wiederholt biete ich der Kellnerin an, die von mir verzehrte Portion Eisbein mit Kartoffeln, Sauerkraut und Senf sowie das Glas Fassbrause abzuarbeiten, sie brauche mir nur eine Aufgabe zuzuweisen. Ich wolle sie aber nicht wegen Kinderarbeit in Schwierigkeiten bringen. Naheliegend sei es hingegen, mir die Verköstigung nicht zu berechnen.“

(aus dem Roman „Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst“
© S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main)