Privatisierung ist sehr gut…

01. Januar 2018  Allgemein

… für einige wenige Unternehmen, nicht für das Gemeinwohl.

Privatisierung sehen wir auf vielen Gebieten:

Bei der Telekommunikation, beim Postwesen, bei der Bahn, bei der Wasserentsorgung, bei der Müllentsorgung und ganz besonders erfolgreich bei der Rentenpolitik.

Eine kurze Anleitung, für alle, die gerne viel Geld  mit Privatisierung verdienen wollen.

Zuerst suchen wir uns einige clevere Werbeagenturen. Aber allzu viel Geld muss man dafür nicht ausgeben, denn die Journalisten der Presse, im Fernsehen und im Internet trommeln ja unablässig im Sinne unserer Verlegerfreunde und unserer willfährigen Politiker die wichtigsten Slogans.

Die wichtigsten Slogans:

  • Mit Privatisierung können Bund, Land, und Kommunen kräftig Geld sparen. Und ist das nicht mittlerweile die Hauptaufgabe dieser Institutionen?
  • Stichwort Professionalisierung: nur diejenigen, die wirklich professionell arbeiten können, nämlich die Privatwirtschaft sollen Aufträge übernehmen, die die Kommunen, die Bundesländer und der Bund nicht effektiv und nicht professionell ausführen können.
  • Privatisierungen reduzieren massiv die steuerlichen Belastungen der Bürgerinnen und Bürger.
  • Durch die Konkurrenzsituation, in die die Unternehmen bei öffentlichen Ausschreibungen geraten, findet ein Wettbewerb statt, der dazu führt, dass immer der beste, effektivste, professionellste Anbieter das Rennen macht.

Sind die Bürgerinnen und Bürger der oben beschriebenen jahrelangen Gehirnwäsche ausgesetzt, dann werden sie diesen Quatsch auch irgendwann glauben.

Jetzt kann es losgehen: wir kaufen uns für wenig Geld ein schönes, gepflegtes Aufgabenfeld, zB. eine große Wasserversorgung. Drücken die Gehälter, stellen überflüssiges Personal frei und hüten uns teuere Investitionen zu tätigen. Nach einer gewissen Zeit erhöhen wir die Gebühren und lagern Kosten aus. Es gibt so günstige Subunternehmer die das Allernötigste mit freundlichen und sehr preiswerten Mitarbeitern aus Süd- und Osteuropa erledigen.

Wenn sich dann nach einiger Zeit Beschwerden über die schlechten Verhältnisse und die steigenden Gebühren häufen oder spätestens wenn ein Bürgerentscheid mit einem Riesenaufwand sich mit der Forderung nach Rückkauf durchgesetzt hat kann man die Rechte und Unternehmensanteile für gutes Geld an die Kommune zurück verkaufen. Es gibt ja genügend weitere Investitionsmöglichkeiten, zB. in PPP (Public–private partnership). Demnächst können sich Multilaterale Unternehmen ein schönes Stück von dem jahrzehntelang aufgebauten deutschen Autobahnnetz schnappten.

Auch in Rheinstetten lässt sich die fabelhafte Erfolgsgeschichte des privaten Wirtschaftens auf eigentlich öffentlich-kommunalen oder staatlicher Arbeitsfeldern besichtigen.

Jeden Tag können Sie sehen, wie Angestellte privater Postunternehmen für Niedriglöhne unsere Briefkästen befüllen. Dabei drängen sich mir immer die Fragen auf:

  • Können diese Firmen Briefe besser in die Briefkasten werfen?
  • Hat sich mit dem Erscheinen dieser Firmen plötzlich der Briefverkehr verbessert oder
  • hat sich der Briefverkehr durch die Privatisierung vermehrt?

Thema Altglasentsorgung in Rheinstetten:

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die Firma, welche für die Entsorgung des Altglases zuständig ist, die Glasbehälter nicht oft genug leert?

Vielleicht liegt es daran, dass es aus unerfindlichen Gründen nicht zu diesem wunderbaren Wettbewerb kommt, der eines Tages alle Probleme der Menschheit lösen wird.

Es ist jedes Mal das gleiche Spiel: Die Stadt schreibt die Entsorgung der Altglasbehälter öffentlich aus. Es werden von zwei Anbietern Angebote abgegeben, die sich regelmäßig durch angemessene Preisgestaltung ablösen, – einmal bekommt das eine, mal das andere Unternehmen den Auftrag. Und weil die Konkurrenz nur sehr bescheiden ausfällt, kommt es schon mal vor, oder  eigentlich immer vor, dass diese Behälter nur sehr selten geleert werden.

Dieses Problem könnte die Stadt Rheinstetten lösen. Die Bürgermeister der Umgebung könnten sich treffen und eine Zusammenarbeit auf diesem Gebiet vereinbaren. Zwei Angestellte könnten, – zu leider bescheidenen Tariflöhnen -, eingestellt und geschult werden, ein geeignetes Fahrzeug gekauft und dann die Arbeit getan und die Kosten von den betreffenden Kommunen geteilt werden.

Dann würden die Behälter vermutlich regelmäßig geleert.


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