Bildung ist Menschenrecht

10. März 2021  Allgemein

Die Corona-Pandemie hat die soziale und herkunftsbedingte Schieflage unseres Bildungssystems offengelegt und verschärft. Viele Kinder und Jugendliche wurden monatelang abgehängt und Eltern wurden allein gelassen. Geldbeutel, Herkunft und Schulabschluss der Eltern bestimmen auch ohne Krise maßgeblich die Chancen, die ein Kind heute im baden-württembergischen Bildungssystem hat. Wer erst spät in der Kita die deutsche Sprache lernt, wer zu Hause keinen ruhigen Arbeitsplatz mit Computer und schnellem Internet besitzt oder wer als erster in der Familie eine Hochschule besucht, muss hohe Hürden überwinden, um später zu den Bildungsgewinner*innen zu gehören. Statt diese institutionelle soziale Spaltung zu überwinden, reproduziert unser bisheriges Bildungssystem diese immer wieder aufs Neue.

DIE LINKE betont hingegen: Bildung ist ein Menschenrecht und sollte Gemeinschaftsaufgabe sein. Wir setzen uns für die Stärkung der Kinderrechte ein und befürworten die Einfügung der UN-Kinderrechte in die Landesverfassung. Wir wollen ein zukunftsorientiertes und auf Kooperation ausgelegtes Bildungssystem. Eines, das unabhängig von sozialem Hintergrund, Herkunft oder geistiger sowie körperlicher Leistungsfähigkeit individuell fördert. Eine gute Bildung muss allen gebührenfrei zur Verfügung stehen und darf sich nicht nur auf die Weitergabe von Faktenwissen reduzieren, wie es die Bildungsreformen der Landesregierung jüngst beförderten. Gute Bildung hilft, individuelle und kreative Fähigkeiten zu entdecken, und fördert Selbstbestimmung. Inklusion, Diversität, Umwelt-, Friedens- und Demokratiebildung sind für uns übergreifende Prinzipien, die im gesamten Bildungssystem zu verwirklichen sind.

5.1 Kitas sind Lern- und Lebensorte

Der erste und wichtigste Schritt, um Chancengleichheit zu verwirklichen, sind die Kitas. In Baden-Württemberg fehlen weiter viele Kita-Plätze. Auch werden nach wie vor zu wenig Erzieher*innen ausgebildet. Für die Entwicklung von Kindern ist die Erfahrung von sozialem Miteinander elementar. Es darf nicht sein, dass diese wichtigen Erfahrungen an dem Geldbeutel der Eltern scheitern. Schon in der Vergangenheit haben wir uns zusammen mit dem landesweiten Bündnis für gebührenfreie Kitas für die Beitragsfreiheit eingesetzt. So würden auch Eltern entlastet. Die Landesregierung lehnt den Vorstoß für gebührenfreie Kitas jedoch ab. Aber auch in Bezug auf den qualitativen Anspruch der Lernangebote und die Arbeitsbedingungen werden Defizite deutlich. Der Erzieher*innenberuf erfährt noch immer eine zu geringe Wertschätzung – das zeigt sich zum Beispiel an der Bezahlung. Da hauptsächlich Frauen in unseren Bildungseinrichtungen arbeiten, ist dies auch eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit. Wir setzen uns für mehr Wertschätzung und dafür ein, den Erzieher*innenberuf attraktiver zu machen. Kinder verdienen die besten Bedingungen.

DIE LINKE fordert:

  • Einen Rechtsanspruch auf einen beitragsfreien Ganztagesplatz in Wohnortnähe für jedes Kind ab dem ersten Lebensjahr.
  • Die Behebung des Personal-, Studien- und Ausbildungsplatzmangels an Kitas: Wir wollen beitragsfreie staatliche Ausbildungsplatzangebote ausbauen und Mangel an Studienplätzen für Kindheitspädagogik abbauen.
  • Eine Aufwertung des Erzieher*innenberufs durch gute Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung – auch für Auszubildende.
  • Frühkindliche Bildungskonzepte, die nach wissenschaftlichen Standards mit Eltern und Erzieher*innen erarbeitet und regelmäßig evaluiert werden.
  • Eine inklusive Bildung und Kinderbetreuung. Notwendig ist hierfür der Einsatz von professionellen Inklusionsfachkräften.
  • Die Bereitstellung von Dolmetscher*innen für Elterngespräche.

 

5.2. Die Schule von Morgen: eine Schule für Alle

Investitionen in die Schulen sind Investitionen in die Zukunft

Die Schulschließungen als Folge der Corona-Pandemie haben die soziale und politische Schieflage im baden-württembergischen Bildungssystem verschärft. Verursacht wurde sie durch die Landesregierungen der letzten Jahrzehnte. Kinder aus finanziell ärmeren und nichtakademischen Haushalten haben häufig den Anschluss verloren.

Nachdem die Grünen und die CDU die Schulcloud „Ella“ mit Millionenverlusten in den Sand gesetzt haben, plant Kultusministerin Susanne Eisenmann jetzt, den lukrativen Markt für Schulclouds an Microsoft zu vergeben. Damit öffnet sie die Schultore für die Monopolstellung eines US-Konzerns, der nicht an deutsche Datenschutzbestimmungen gebunden ist. DIE LINKE fordert, dass die Wahrung der Schüleridentität eine hoheitliche Aufgabe in staatlicher Hand bleiben muss. Die Netzidentitäten der Schüler*innen dürfen nicht in die Hand eines privaten Konzerns gegeben werden.

Es fehlt eine stabile digitale Infrastruktur für Lehrkräfte und Schüler*innen. An vielen Schulen sind nicht nur digitale, sondern auch pädagogische Innovationen wie das selbstständige Lernen noch nicht angekommen. Die Landesregierungen haben es versäumt, die Attraktivität des Lehrer*innenberufs zu erhöhen. Stattdessen trugen sie durch Planungsfehler und angekündigten Stellenabbau zu einem Lehrkräftemangel bei. Für die nächsten Jahre droht eine massive Verschärfung. Der Bildungsnotstand zeigt sich am Investitions- und Sanierungsstau an unseren Schulen. Wir brauchen eine Investitionsoffensive in unsere Schulgebäude und -räume, die einen differenzierten Unterricht und eine rhythmisierte Ganztagesbildung ermöglichen.

DIE LINKE fordert:

  • Die Stärkung der Gemeinschaftsschulen, auch durch flächendeckend aufzubauende, ​​​​​​​von mehreren benachbarten Gemeinschaftsschulen gemeinsam angebotene Oberstufen. Das mehrgliedrige Schulsystem, das Ungleichheitsdenken und Konkurrenz verschärft, muss stufenweise in eine Schule für alle umgebaut werden, die auf solidarischem gemeinsamem Lernen basiert. Aussagekräftige, schriftlich ausformulierte Beurteilungen sollen langfristig Noten ersetzen.
  • Die Rückkehr zum G9-Abitur, um der zunehmenden Überlastung von Schüler*innen entgegenzuwirken und der zunehmenden Vielfalt gerecht zu werden.
  • Eine Förderung der demokratischen Mitbestimmung und des Dialogs zwischen Eltern, Schüler*innen, Schuleiter*innen und Lehrkräften miteinander. Die Rechte der Vertretungsgremien sollen gestärkt und sie sollen mehr in die Maßnahmenplanung des Kultusministeriums eingebunden werden.
  • Den Infektionsschutz im Präsenzunterricht gewährleisten: Nötig sind Luftfilter und Plexiglaswände in allen Klassenräumen, halbierte Klassen und Wechselbetrieb ab Pandemiestufe 3, FFP-2-Masken für alle Lehrer*innen und zusätzliche Unterrichtsräume mit geeigneter Ausstattung, die nach lokal gegebenen Möglichkeiten angemietet werden können. Auch leerstehende Kultur- und Universitätsräume können sich für den Schulunterricht eignen. Auf Schulstrecken im ÖPNV wird zu unterrichtsbedingten Stoßzeiten eine höhere Taktung gebaucht. An den Schulen können Antigen-Schnelltests helfen, die Teilnahme unerkannt Kranker am Unterricht auszuschließen.
  • Eine Änderung der Lernmittelverordnung für verpflichtende Standards für die digitale Schulausstattung, die Förderung von freien und konzernunabhängig bereitgestellten Lehr- und Lernmaterialien und die Anschaffung digitaler Endgeräte.
  • Ein Land-Bund-Programm, um ein einheitliches landesweites digitales Schulverwaltungs- und Lernsystem einzurichten, und um Schüler*innen sowie Lehrkräften zur Nutzung der Lernplattform ein kostenfreies digitales Endgerät zur Verfügung zu stellen.
  • Eine Aus- und Fortbildungsinitiative zum inklusiven, digitalen, pädagogisch begleiteten und selbstständigen Lernen sowie zur kritischen Medienbildung und Informatiklehre. Auch müssen mehr Lehrkräfte zum Thema künstliche Intelligenz fortgebildet werden.
  • Ein nachhaltiges Konzept zum sich ergänzenden Einsatz von digitalen und analogen Lernmethoden, das gemeinsam von Schüler*innen, Lehrkräften, Wissenschaftler*innen und Eltern erarbeitet und evaluiert wird.
  • Eine Nachbesserung und attraktivere Gestaltung der Reform des Lehramtsstudiums, indem die berufsrelevanten sowie pädagogischen Ausbildungsteile (zum Beispiel Medienpädagogik) und integrative sowie inklusive Kompetenzen gestärkt werden.
  • Den Einsatz fortgeschrittener Lehramtsstudierender als pädagogische Assistenzkräfte in Krisensituationen gegen angemessene Bezahlung. Es braucht einen Rechtsanspruch auf einen Referendariatsplatz für alle Absolvent*innen eines Lehramtsmasters.
  • Eine Stärkung des Grundschullehramts: Die Regelstudienzeit soll auf zehn Semester aufgestockt und Ausbildungskapazitäten sollen ausgebaut werden.
  • Die Sicherstellung der didaktischen und pädagogischen Qualifizierung von Quereinsteiger*innen.
  • Gute Arbeitsbedingungen für unsere Lehrkräfte und strukturell gleiche Bezahlung für alle Lehrkräfte – unabhängig von Schulart und Status.Ein Ende der unsozialen Praxis, Lehrkräfte wiederholt nur bis zum Beginn der Sommerferien befristet anzustellen. Wir fordern die unbefristete Anstellung von Lehrkräften.
  • Die Aufstockung der Vertretungsreserve um zusätzlich fünf Prozent des Grundbedarfs und von Verwaltungspersonal, um Lehrer*innenkollegien und Schulleiter*innen zu entlasten.

 

Demokratische Bildung für eine gerechte und weltoffene Gesellschaft

Rassismus und andere Formen von Menschenfeindlichkeit dürfen an unseren Schulen keinen Platz haben. Wir begrüßen Initiativen wie “Schule ohne Rassismus”. Den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Faschismus wollen wir als verpflichtenden schulischen Projekttag festlegen. Jeder Schülerin und jedem Schüler muss mindestens einmal in der Schulzeit eine kostenlose Fahrt zu einer Gedenkstätte ermöglicht werden. Das im Bildungsplan festgeschriebene Lernziel der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt muss endlich konsequent durch das Kultusministerium und in der Unterrichtspraxis umgesetzt werden. Gesellschaftswissenschaftliche und musische Fächer müssen aufgewertet werden, und es muss mehr Freiheit für eine Schwerpunktsetzung geben – vor allem ab der Oberstufe. Wir fordern einen Ethikunterricht für alle in allen Schulformen. Dafür müssen genug Ausbildungskapazitäten an den Universitäten geschaffen werden.

Die Bundeswehr nutzt Berufsorientierungswochen an Schulen zur von der UN-Kinderrechtskonvention abgelehnten Anwerbung Minderjähriger. Wir lehnen die Versuche der Bundeswehr, Schüler*innen für den Dienst an der Waffe zu rekrutieren, ebenso ab wie den Einsatz von Jugendoffizieren zur Propagierung von Kriegseinsätzen. Vielmehr sollten Friedensinitiativen wie die DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft) mehr Raum bekommen.

 

Sozialer Benachteiligung entgegenwirken

Es darf keine Schulen geben, in denen junge Menschen benachteiligt oder bevorzugt werden. Das Grundgesetz verbietet eine “Sonderung” in Eliteschulen. Der Ausbau von Schulsozialarbeit, Sonderpädagogik und Unterstützung durch Inklusions- sowie Integrationsfachkräfte hilft, Hürden zu überwinden und Konflikte zu lösen. Lehrkräfte müssen durch multiprofessionelle Teams entlastet werden. Wir setzen uns für eine inklusive Schule ein, die immer mehr Kinder in allgemeinbildende Schulen inkludiert und damit sonderpädagogische Schulen zunehmend überflüssig macht.

Die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler muss im Vordergrund stehen. Zusätzlich muss der Klassenteiler schrittweise auf 25 und in der Grundschule auf 20 gesenkt werden. Die Pflichtstundenzahl für Lehrkräfte muss reduziert werden. DIE LINKE setzt sich außerdem für einen Rechtsanspruch auf einen Platz an einer Ganztagesschule ein. Da in der Praxis ein Ausbau zur Ganztagsschule von der Beschlussfassung bis zur Umsetzung mehrere Jahre dauert, werden für die Angebote der derzeitigen kommunalen und freien Träger verbindliche Qualitätsrichtlinien für die Ganztagsbetreuung der Grundschulkinder gebraucht.

Wir fordern, dass alle Schulen, die Ganztagschule werden wollen, vom Land die nötigen Mittel für Umbau und Personal erhalten. Das Mittagessen in Kitas und Ganztagsschulen muss gebührenfrei sein, genauso wie freiwillige Bildungs- und Betreuungsangebote vor und nach dem Unterricht sowie Klassenfahrten. Zum Recht auf gebührenfreien Unterricht gehört die Übernahme der Kosten, die durch den Schulweg entstehen. Land und Schulträger sollen zahlen, nicht Eltern. Bildungsqualität darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Wir setzen uns für einen Sozialindex bei der Schulfinanzierung und Versorgung mit Lehrkräften und Schulsozialarbeit ein, sodass Schulen in benachteiligten Gegenden zusätzlich unterstützt werden. So kann der Bildung von Brennpunktschulen entgegengewirkt werden.

 

5.3 Gute Ausbildung für alle

Infolge von Transformationsprozessen und Krisen ist ein Rückgang an Ausbildungsverträgen zu verzeichnen. Es muss sichergestellt werden, dass die Ausbildungskapazitäten und das erfolgreiche duale Ausbildungssystem erhalten bleiben. Die Ausbildung muss auch in der Corona-Pandemie fortgesetzt werden können. Gemeinsam mit den Gewerkschaften fordern wir eine gesetzliche Ausbildungsplatzumlage. Unternehmen, die keine Ausbildungsplätze anbieten, müssen sich solidarisch mit einer Abgabe an der Finanzierung von Ausbildungsplätzen beteiligen. Im Grundgesetz muss ein Rechtsanspruch auf eine vollqualifizierende Ausbildung verankert werden. Auch Auszubildende brauchen faire Ausbildungsvergütungen und gute Arbeitsbedingungen! Auf Bundesebene setzen wir uns für eine Mindestausbildungsvergütung für alle Auszubildenden ein, die bei 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen liegt.

DIE LINKE fordert:

  • Längere Berufspraktika an allen Schularten, um mit einer besseren Berufsorientierung die zunehmende Anzahl der Ausbildungsabbrecher*innen zu reduzieren.
  • Eine Stärkung der Berufsschulbildung: Wir fordern zusätzliche Mittel für die personelle und sachliche Ausstattung der Berufsschulen, denn auch hier muss Lernmittelfreiheit gelten.Ein Ende des Unterrichtsausfalls an beruflichen Schulen.
  • Ein kostenfreies Azubi- und Schüler*innenticket als Bestandteil der Lernmittelfreiheit. Die Übernahme aller Lernmittelkosten durch die Schulträger. Bei der Schülerbeförderung sind Nachbarländer wie Bayern schon weiter. Lernmittelfreiheit ist Verfassungsgrundsatz.
  • Einen Vorstoß auf Landesebene, um die betriebliche Mitbestimmung von Auszubildenden zu stärken und um Azubis vor dem Einsatz für ausbildungsfremde Tätigkeiten zu schützen.
  • Den Ausbau von Beratungs-, Unterstützungs-, und Hilfsangeboten für Auszubildende – sowohl an beruflichen Schulen als auch im außerschulischen Bereich. An den beruflichen Schulen müssen mehr Schulsozialarbeiter*innen sowie mehr Angebote zur individuellen Förderung zur Verfügung stehen.
  • Einen leichteren Zugang zur Ausbildung für Geflüchtete: Die Landesregierung muss ihre Handlungsspielräume nutzen, um Geflüchtete einen leichteren Zugang zur dualen Berufsausbildung zu gewähren. Geflüchteten und (insbesondere kleinen) Betrieben, die Geflüchtete regulär ausbilden, müssen spezielle Fördermöglichkeiten zur Verfügung stehen.
  • Einen inklusiven Ansatz in der Berufsausbildung: Die Landesregierung soll darauf hinarbeiten, dass die Berufsausbildung von Menschen mit Behinderungen im dualen System gestärkt wird. Auszubildende mit Behinderungen und (insbesondere kleine) Betriebe, die Menschen mit Behinderungen ausbilden, sollen mit Mitteln aus einem Solidarfonds gefördert werden. Einschlägige Beratungsangebote müssen flächendeckend geschaffen und ausgebaut werden.

 

5.4 Uni für alle: ausfinanziert und demokratisch

Die Hochschulen und Universitäten in Deutschland sind eine Medaille mit zwei Seiten: Auf der einen Seite finden sich Erkenntnisfortschritt, soziales Miteinander und Persönlichkeitsentwicklung, auf der anderen Seite Zukunftsängste, Konkurrenz und Prekarisierung. Studierende, die durch Leistungsdruck und Geldsorgen zunehmend psychisch krank werden, sind ebenso Realität an den Hochschulen in Baden-Württemberg wie ein akademischer Mittelbau und andere Stellen, zum Beispiel in der Verwaltung, in befristeten Arbeitsverträgen ohne langfristige Berufsperspektiven an der Uni. Im Gegensatz zur unternehmerischen Hochschule will sich die LINKE stark machen für soziale Sicherheit, Ausfinanzierung und demokratische Mitbestimmung. Das ist notwendig für gutes, innovativen Lernen und Forschen.

 

Für eine soziale und offene Hochschule

Steigende Mieten, ein zu niedriges BAföG, das kaum jemand mehr bekommt, und schlecht bezahlte und unsichere Nebenjobs sind die wichtigsten Gründe für die prekäre soziale Lage der Studierenden. Hinzu kommen zusätzliche Probleme für Studierende aus dem Nicht-EU-Ausland und solche mit Kindern oder Behinderung. In der Corona-Krise hat sich die soziale Not der Studierenden verschärft. Etwa die Hälfte von ihnen hat ihren meist unverzichtbaren Nebenjob verloren, neue Arbeit lässt sich kaum finden und die bisherige staatliche Corona-„Soforthilfe“ reicht oft nicht aus. Zudem sind die Digital-Semester durch die Corona-Pandemie kein vollwertiger Ersatz für Präsenzsemester. Auch sind die Hochschulen in Deutschland seit Jahren massiv unterfinanziert. Wachsende Studierendenzahlen, steigender Bedarf an Räumen und Lehrkräften und das im Zuge der Klimakrise drängend gewordene Ziel klimaneutraler Hochschulen erhöhen den Finanzbedarf weiter. In der Not sind die Hochschulen dazu übergegangen Drittmittel aus der freien Wirtschaft einzuwerben. Vielerorts wie etwa beim Forschungsverbund Cyber Valley in Tübingen ist eine Kommerzialisierung der Wissenschaft bereits im Gang. Die Unabhängigkeit der Wissenschaft ist gefährdet. Diese Finanzierungsprobleme versucht die bisher verantwortliche Politik nur für einige wenige Eliteuniversitäten zu lösen.

DIE LINKE fordert:                                                                                                

  • Die Ausfinanzierung aller Hochschulen durch massive Aufstockung der universitären Grundmittel.
  • Die Ausgestaltung von Digital-Semestern als Solidarsemester: keine Anrechnung auf BAföG oder Regelstudienzeit, zusätzliche Prüfungsversuche.
  • Eine Bundesratsinitiative für ein elternunabhängiges, höheres BAföGs als Vollzuschuss – ohne Auflagen wie Staatsbürgerschaft, Alter oder Einhaltung der Regelstudienzeit.Massiv erhöhte Landeszuschüsse für die Studierendenwerke, um bezahlbaren studentischen Wohnraum zu schaffen.
  • Die Abschaffung der durch Grün-Schwarz eingeführten rassistischen Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer*innen sowie Zweitstudiengebühren. Wir lehnen jede Form von Studiengebühren ab!
  • Das Zurückdrehen der Verschulung und Vereinzelung im Studium durch Bologna. Die Anwesenheitspflicht gehört abgechafft.
  • Keine überfüllten Lehrveranstaltungen: Nötig ist eine allgemeine Betreuungsquote von 40 Studierenden auf je eine Professor*in.
  • Einen massiven Ausbau der Studienplatzkapazitäten im Bachelor und Master. Jede*r muss gemäß der Berufs- und Ausbildungsfreiheit ihren oder seinen Wunschstudiengang auch im Master studieren können. Dies muss durch einen individuellen Rechtsanspruch einklagbar sein.
  • Die Inklusion an Hochschulen sicherzustellen: Barrierefreiheit muss in allen Aspekten individuell gewährleistet werden durch angemessenen Umbau von Gebäuden, Lehre für hör- und seheingeschränkte Studierende und psychisch eingeschränkte Studierende.
  • Mehr Demokratie: Wir wollen ein starkes politisches Mandat für die Studierendenschaften, mehr Transparenz und paritätische Besetzung der Hochschulgremien mit allen Statusgruppen, die Abschaffung der Hochschulräte.
  • Die Öffnung der Universitäten in die Gesellschaft hinein durch Finanzierung von Angeboten des Wissenstransfers, zum Beispiel Citizen Science, Bürger*innen-Universität, Wissenschaftshäuser oder Wissenschaft für alle.

 

Sichere Arbeit: für eine allgemeinwohlorientierte Wissenschaft 

Der Berufsalltag unter der Professur und von technischen und administrativen Mitarbeitenden ist prekär. Dauerhafte Vollzeitstellen mit genug Zeit für eigene Forschung sind selten. Der Befristungswahnsinn ist durch das Wissenschaftszeitvertragsgesetz im System verankert. Darunter leidet auch die Wissenschaft. Im Sinn ihrer gesellschaftlichen Verantwortung sollen Hochschulen einen Beitrag für eine friedliche Entwicklung der Menschheit unter Berücksichtigung unserer natürlichen Lebensgrundlagen leisten. Dazu braucht es eine zivil-ökologische Klausel im Landeshochschulgesetz. Forschung an Rüstung oder klimaschädlichen Technologien wäre dadurch an allen Hochschulen und zivilen Forschungseinrichtungen ausgeschlossen. Um die Freiheit der Wissenschaft zu gewährleisten, sollen hochschuleigene Ethikkommissionen die Einhaltung dieser Klausel selbst kontrollieren. Kritische Wissenschaft muss gefördert werden.

DIE LINKE fordert:

  • Ein Ende der Prekarisierung wissenschaftlicher Arbeit: Dauerstellen für Daueraufgaben, Wissenschaftszeitvertragsgesetz abschaffen, Ausbau von Tenure-Track-Beschäftigungsmodellen, Dauerstellen unterhalb der Professur.
  • Eine neue Organisationsstruktur für die Hochschulen: Statt von einzelnen Professorinnen und Professoren abhängig zu sein, soll der wissenschaftliche Nachwuchs Abteilungen (Departments) zugehören. Dies schafft flachere Hierarchien und mehr Demokratie an der Hochschule.
  • Geschlechtergerechte Stellenbesetzung mittels fachspezifischer Quoten.
  • Die Förderung von Open Access von Publikationen, Forschungsdaten und Lehrmaterialien.
  • Das Vorantreiben von Forschung zur Technologiefolgenabschätzung mit weitreichenden gesellschaftlichen Implikationen wie etwa Künstliche Intelligenz.
  • Eine stärkere Förderung von kritischen Wissenschaften: Forschung und Lehre zu Themen wie Klima, Rassismus oder friedenspolitischen Themen müssen ausgebaut werden.

 

5.5 Für ein Recht auf Weiterbildung!

Lebenslanges Lernen und eine qualitativ hochwertige Bildungsteilhabe müssen allen ermöglicht werden. Die digitale Transformation führt dazu, dass vor allem körperlich schwere und routinierte Arbeitstätigkeiten ersetzt werden. Gleichzeitig schafft die Digitalisierung auch neue Arbeitsfelder und stellt neue Anforderungen, wofür es einer umfassenden praxisorientierten Weiterbildungsoffensive bedarf. Als LINKE verstehen wir Weiterbildung aber auch als Form der persönlichen Weiterentwicklung. Wir setzen uns auf Bundesebene für einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung ein.

DIE LINKE fordert:

  • Eine flächendeckende Aufrechterhaltung der pluralen Weiterbildungslandschaft und die Förderung digitaler und generationen übergreifender Weiterbildungsangebote in allen Bereichen.
  • Eine sofortige Erhöhung der Landeszuschüsse für die Volkshochschulen auf Höhe des Bundesdurchschnitts. Mittelfristig braucht es weitere substanzielle Zuschüsse, um die Grundbildung an den Volkshochschulen zu stärken.
  • Eine Ausweitung des Bildungszeitgesetzes: Es soll mehr Bildungsurlaube geben, auch ohne inhaltliche Beschränkung.
  • Ein von Unternehmen finanzierter Weiterbildungsfonds für die Beschäftigten, um beispielsweise die Kostenübernahme der Weiterbildung zu gewährleisten.
  • Angemessene, tarifgebundene Gehälter für Lehrende in der Weiterbildung. Honorararbeitsverhältnisse dürfen nicht die Regel sein!