PFC-Skandal klopft jetzt auch im Landkreis Karlsruhe an

14. Januar 2021  Allgemein

Das Umweltgift PFC ist ein künstlicher Stoff, der bis heute massenhaft in der Industrie eingesetzt wurde und wird. Das Bedrohliche ist, dass diese Stoffe nicht abgebaut werden. Gelangen diese krebserregende Verbindungen in den Boden, wandern sie ungehindert mit dem Grundwasser weiter.
Dieses Problem erkannte man zuerst in Mittelbaden, wo vermutlich Abfälle aus der Papierindustrie auf Ackerböden verteilt wurden. Bei mehreren Hundert Menschen wurde PFC schon im Blut gefunden. In den nächsten Jahren wird diese giftige Last von Rastatt Richtung Norden in den Landkreis Karlsruhe wandern.
Jetzt wird bekannt, dass Nahe der Kreisgrenze eine Zeitbombe tickt. Werden diese Schadstoffe in Form von Sickerwässern aus der Gaggenauer Deponie in Oberweier auch auf Wanderschaft gehen?

Riesige Altlasten-Hypothek auf der Deponie Hintere Dollert 

PFC-Sanierung von 328.000 t Papierschlämmen ungeklärt

Umfassendes Altlasten-Monitoring gefordert

Auf der Deponie Hintere Dollert schlummert eine PFC-Altlasten-Hypothek, welche die schlimmsten Befürchtungen übertrifft: Von 1985 bis 2004 wurden von den Papierfabriken im Murgtal nicht weniger als 328.000 t mutmaßlich hoch mit PFC-belasteter Papierschlämme auf der Oberweierer Zentraldeponie abgelagert. Dies geht aus der Antwort des AWB auf eine Anfrage der LINKEN im Kreistag hervor. Genauso erschütternd, so Linken-Kreisrat Dieter Balle, ist wohl die Tatsache, dass man in den letzten fast zwanzig Jahren keine konsequenten Schritte unternommen hat, um diese beträchtliche Schadstofffracht genauer zu erfassern, zu isolieren und unschädlich zu machen, zumindest nachdem man um die Gefährlichkeit von PFC für Mensch und Umwelt wusste. Bis heute gibt es keine Sickerwasserreinigungsanlage, die dazu in der Lage ist, PFC abzuscheiden und etwa durch Verbrennung zu vernichten. Die seit 1986 im Betrieb befindliche Sickerwasseranlage ist nicht geeignet, PFC zu entsorgen. Die toxischen Sickerwässer werden letztlich in den Deponiekörper zurückgeführt, ein Schadstoffkreislauf, der immense Risiken für Umwelt und Grundwasser birgt, nicht zuletzt da der Deponiekörper nach Meinung von Fachleuten nicht als stabil angesehen werden kann.   

Deshalb hält Die LINKE ein umfangreiches PFC – bzw. Schadstoffmonitoring auf der Deponie bzw. den Übergangsdeponien für unbedingt erforderlich, um die Gefähdungspotentiale der Altlasten umfassend erfassen und geeignete Sanierungsmaßnahmen einleiten zu können.

Nach den Plänen des Landkreises soll erst für die geplante zusätzliche PFC-Bodenaushub-Deponierung eine PFC-Sickerwasserreinigungsanlage installiert werden. Eine diesbezügliche mobile Versuchsaanlage war bis Ende des vergangenen Jahres für drei Monate in Betrieb gewesen. Dass es damit gelingt, das PFC gänzlich aus dem Sickerwasser zu entfernen betrachten Kritiker*innen mit Skepsis, nachdem der Autor der kürzlich im Kreistag vorgestellten Machbarkeitsstudie eine 100%ige Reinigung verneint hatte.

In einer neuerlichen Anfrage an den AWB will Die LINKE darüber hinaus wissen, wie der Landkreis die Gefährdung von Umwelt und Grundwasser durch die weder oben noch unten abgedichteten sog. Übergangsdeponien sieht, wo in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mutmaßlich ebenfalls giftige Chemikalien abgelagert wurden, die eine Gefahr für das umgebende FFH- und Wasserschutzgebiet darstellen könnten.

Zu fragen ist ebenfalls, ob und in welcher Weise die Anlieferer, also die Verursacher der toxischen Hinterlassenschaften in irgendeiner Weise zur Rechenschaft und Verantwortung gezogen wurden?  


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