Offener Brief an das Edeka Fleischwerk

10. Januar 2021  Allgemein

Immer noch menschenunwürdige Bedingungen?


Im Juni diesen Jahres hat DIE LINKE in Mittel- und Nordbaden auf die teilweise katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen von Werkvertragsarbeiter*innen in der Fleischindustrie, speziell im Edeka-Fleischwerk in Rheinstetten-Forchheim, aufmerksam gemacht, wo von 1.400 Mitarbeitern mehr als 500 über zwei Werkvertragsfirmen aus Polen und Rumänien zu unhaltbaren Bedingungen unter Vertrag waren. Die polnische Meat-Pros und die rumänische EMA hatten mehr als zwanzig Häuser in der Region mit Schwerpunkt Durmersheim angemietet, in denen die Arbeiter*innen auf engstem Raum, teilweise zu viert und fünft in kleinen Zimmern zusammengepfercht waren – und das in Corona-Zeiten. Die regionale Presse berichtete beispielsweise von „31 Namen auf zwei Briefkästen” in einem Zweifamilienhaus in Würmersheim, in dem Pol*innen und Ungar*innen untergebracht waren.

Nach einer Protestkundgebung der Linken in Rheinstetten reagierte Edeka mit der Ankündigung zum Jahresende, noch vor dem mittlerweile vom Bundesarbeitsminister  Hubertus Heil (SPD)  angekündigten Verbot von Werksverträgen in der Fleischindustrie, das Werkvertragssystem abschaffen zu wollen.

Mandatsträger der Linken im Raum Mittelbaden haben deshalb an Edeka Südwest einen Offenen Brief geschrieben:

Offener Brief an Edeka Südwest Fleisch                                    14. Dezember 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor einigen Monaten kündigten Sie die Abkehr vom Werkvertragssystem bereits zum Jahresende 2020 für das Edeka-Fleischwerk Rheinstetten an und versprachen eine menschenwürdige Unterbringung der Beschäftigten. DIE LINKE begrüßte die Absicht ausdrücklich und möchte sich nun nach der Umsetzung dieser Vorhaben erkundigen:

Welche Arbeitszeiten gelten für die ehemaligen Werkvertragsarbeiter*innen?

Haben Sie Mitarbeiter*innen zwischenzeitlich gekündigt und falls ja, wie viele Menschen haben ihre Arbeit verloren?

Hat Edeka mittlerweile für menschenwürdige Werkswohnungen mit fairen Mieten für ihre Arbeitskräfte gesorgt? Wo sind die ehemaligen Werksvertragsarbeiter*innen untergebracht?

Wurden auch die Verträge mit Leiharbeiter*innen in reguläre Arbeitsverhältnisse umgewandelt? Wenn nein, ab wann ist das geplant?

Haben Sie eine zukunftsfähige Strategie, mit dem Ziel der Abkehr von Massentierhaltung und Billigfleisch entwickelt?

Wir würden uns über eine baldige Antwort freuen.

Beste Grüße

Jürgen Creutzmann, DIE LINKE im Regionalverband Mittlerer Oberrhein

Dieter Balle, DIE LINKE im Kreistag Rastatt

Arne Bachmann, DIE LINKE im Kreistag Karlsruhe

Martin Behr, DIE LINKE im Kreistag Karlsruhe


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