Schmutzige Energie für Rheinstetten

15. November 2016  Allgemein

rheinhafen-dampfkraftwerkDie Stadt Rheinstetten hat sich dafür entschieden, sich an das Fernwärmenetz der Karlsruher Stadtwerke anzuschließen. Die Energie für dieses Netz wird durch Abwärme der MiRO, der zweitgrößten Erdölraffinerie in Deutschland und der großen Kohlekraftwerke am Rhein (Rheinhafen-Dampfkraftwerk) gewonnen. Die Stadt muss nur die Leitungen nach Rheinstetten legen und bekommt dafür, wie es scheint, günstigen, sauberen Strom.
Das sieht nach einer smarten, nachhaltigen Lösung für die Energiezukunft der Stadt Rheinstetten aus. Tatsächlich läuft dieser Beschluss aber den wirklichen Bedürfnissen der Bevölkerung Rheinstettens komplett zuwider, wie wir, der Ortsverband der Linken Rheinstetten finden.

Wünschenswert wäre vielmehr eine mutige, klare Entscheidung hin zu den Energien der Zukunft, zu den Erneuerbaren Energien. Nur diese gewährleisten eine nachhaltige, zukunftssichere und langfristig günstige Energieversorgung für Rheinstetten.

Wirft man einen Blick auf das oben genannte Kraftwerk, dann hören sich die Zahlen höchst beeindruckend an:
Der Block 8 des Rheinhafen-Dampfkraftwerks (RDK), für 1,3 Milliarden Euro gebaut, ist eine Bauwerk der Superlative. Der Block ist mit einem Nettowirkungsgrad von angeblich 46 % der Weltrekordhalter unter den Kohlekraftwerken.
Ganz groß ist das Kraftwerk aber trotzdem bei den Emissionen: Laut BUND pustet RDK-8 jährlich rund 6 Millionen Tonnen CO2 in unsere Luft. „Legt man die Szenarien des Weltklimarates (IPCC) zu Grunde, wäre RDK 8 im Jahr 2050 für ein Drittel aller CO2-Emissionen in Baden-Württemberg verantwortlich! Zusätzlich zu den klimaschädlichen Emissionen (bläst) das Kohlekraftwerk rund 200 Tonnen zusätzlichen Feinstaub und 2.000 Tonnen Stickoxide in die Luft (…).“
Mehr als 70 Karlsruher Kinderärzte warnten beim Bau des Kraftwerks vor den giftigen Abgasen. Sie kündigten mehr Lungen- und Atemwegserkrankungen für uns und unsere Kinder an. Auch das Krebsrisiko steigt im Umfeld fossiler Kraftwerke.
Umweltexperten geben diesen Dinosaurier-Kraftwerken in Deutschland noch eine Laufzeit von gerade mal 15 Jahren. Dann ist genügend Energie aus Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik und Biomassekraftwerken in den Stromnetzen. Schon heute sind der Bau und Betrieb von Kraftwerken aus sogenannten Erneuerbaren Energien an guten Standorten zum Teil günstiger als die Kraftwerke aus fossilen Kraftwerken. Und sie werden immer günstiger. Dass fossile Kraftwerke zumindest als Ergänzung noch lange erhalten bleiben müssten, weil die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht immer weht ist eine Mär. Betrachtet man die Wetterinformationen an einem ganz normalen Tag in Europa kann man unschwer erkennen: Irgendwo scheint immer die Sonne und der Wind weht an anderer Stelle sehr stark, wenn woanders ein laues Lüftchen weht. Energiegewinnung aus Wind- und Wasserkraft in Portugal und Norwegen ist nahezu jederzeit massiv vorhanden.

Warum wollen die Karlsruher Stadtwerke Rheinstetten ins Fernwärmenetz aufnehmen?

Betrachtet man die Wirtschaftlichkeit des Monsterprojekts RDK-8 müsste man das Kraftwerk schon bald abstellen. Wegen der exorbitanten Baukosten und der schon heute günstigen Energieerzeugung aus den Erneuerbaren rechnet es sich nicht. Macht man aber noch andere Gemeinden von der dreckigen Energieerzeugung abhängig, besteht zumindest noch für einige Jahre die Chance RDK-8 zu betreiben und wenigsten einen kleinen Teil der Kosten abzuschreiben.
Wie beim Elektroauto kommt es darauf an, woher der Strom für den Antrieb kommt. Wird er nicht aus Erneuerbaren Energien erzeugt, ist die Ökobilanz miserabel. Die Ökobilanz von Kohlekraftwerken ist grauenvoll.
Ein weiterer wichtiger Punkt:
Woher kommt aber die Kohle für das Rheinhafen-Dampfkraftwerk?
Nicht aus Deutschland, das wäre unrentabel. Sie wird tausende Kilometer mit Schiffen aus Südamerika hierhergeschafft. In Kolumbien werden Menschen von ihrem Land vertrieben, enteignet und vergiftet. Gigantische Ökoschäden sind dort zu sehen. Vielleicht kommt die Kohle auch aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort, z.B. in den Appalachen werden ganze Bergkuppen gesprengt um an den dreckige Rohstoff zu kommen. „Die Umweltbehörde EPA geht von 6.500 Quadratkilometer vernichteter Waldfläche in den Appalachen aus. (…) Der meist giftige Abraum aus den Minen wird größtenteils in die Täler gekippt, (…). Dabei werden die Wasserläufe in den Tälern mit Schwermetallen wie Quecksilber und Arsen, Sulfaten und anderen Chemikalien aus dem Tagebau vergiftet und Quellläufe begraben.“
Rheinstetten wäre also mitverantwortlich für die globale Klimakatastrophe, für gigantische Umweltzerstörung, Krankheit und sogar den Tod von Menschen in den Abbaugebieten und hier bei uns, wenn wir dann an der Fernwärme der Karlsruher Kraftwerke angeschlossen wären.
Die Linke in Rheinstetten ruft deshalb alle Stadträte und Stradträtinnen auf, noch einmal in sich zu gehen und den Vertrag über das Fernwärmenetz abzusagen.

http://www.bund-bawue.de/themen-projekte/klima-und-energie/aktuelles/neues-kohlekraftwerk-zementiert-klimapolitische-sackgasse/

http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-09/kolumbien-steinkohle-el-cerrejon

http://www.energiezukunft.eu/fileadmin/user_upload/pdf/energiezukunft/energiezukunft_2016-21.pdf

https://www.greenpeace.de/themen/studie-gesundheitsfolgen-von-kohlekraftwerken

http://www.bund-bawue.de/themen-projekte/klima-und-energie/energiewende/kohlekraft/kohlekraftwerk-karlsruhe/


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