Bäume pflanzen!

08. Dezember 2020  Allgemein

Welche Rolle kann der Wald, können Bäume spielen, um die Klimakatastrophe wenigstens abzumildern?

In China wird ein sehr ehrgeiziges Waldaufforstungsprogramm durchgeführt, und das schon seit mehr als vierzig Jahren. Die chinesische Führung nennt es “Dreifaches Nördliches Schutzgürtelprogramm” Die Fläche ist etwa so groß, wie Spanien und damit das größte Aufforstungsprojekt der Welt. Allerdings werden dort Wüstengebiete durch Aufforstung zurückgedrängt. Also kann man sich in Mitteleuropa daran kein Beispiel nehmen. Auch in Deutschland hat die Waldfläche zwischen 2002 und 2012 einen Zuwachs von knapp 50.000 ha erfahren. Allein in Baden-W. ist die Waldfläche in den letzten 30 Jahren um rund 10.000 ha gewachsen. Das Problem bei uns ist weniger die Quantität, sondern vielmehr die Qualität. Momentan sind die Wälder Deutschlands weitestgehend nur monotone Holzanbaugebiete und Jagdreviere. Man sollte große Teile dieses öden Waldes aus der Nutzung nehmen und Stück für Stück, z.B. durch konsequente Naturverjüngung, aufwerten.
Ein weiteres Problem ist, dass es in Deutschland teilweise verfehlte gesetzliche Regelungen zur Kompensation von Waldflächen gibt: Wenn Waldflächen durch Baumaßnahmen verloren gehen, muss die gleiche Fläche Wald wieder irgendwo neu geschaffen werden. Das hört sich erst einmal gut an, ist aber ein großes Problem, denn dafür müssen dann landwirtschaftliche Flächen oder andere so genannte Offenlandflächen verschwinden. Das ist fatal: Durch den Flächenverlust wird das rasant schnelle Artenstreben weiter vorangetrieben. In Verbindung mit der grassierenden Flurbereinigung und der Intensivierung der Landwirtschaft hat dies bedenkliche Folgen. Die benachbarten Wälder mit ihren vielen Bewohner, z. B. zahlreiche Waldfledermäuse und viele der Waldinsekten brauchen intakte Offenlandbiotope als Jagd- und Nahrungsfläche.
Deswegen werten die Umweltverbände den Verlust von Flächen wie Bach-West in Mörsch oder der Stadtmitte in Rheinstetten als sehr hoch ein. Nicht nur die Zauneidechse verliert ihren Lebensraum sondern auch seltene Pflanzenarten.
Direkt neben dem Neubaugebiet, gegenüber dem Fußballplatz des SV Mörsch, ist ein hochsensibles Naturschutzgebiet beheimatet, welches schon jetzt durch die vorhandene Bach-West Siedlung negativ beeinträchtigt ist. Allein schon das häufige Ausbringen von Gartenabfällen sorgt für erhebliche Beeinträchtigungen.
Statt auch den vorhandenen Freiflächen neuen Wald zu pflanzen, ist es daher viel sinnvoller die Qualität des Waldes aufzubessern, auch weil die landwirtschaftlichen Flächen und Wiesen als potentiell wichtige CO2-Senken zu betrachten sind.
Nichtsdestotrotz können, ja müssen, neue Bäume eine wichtige Rolle bei der Abmilderung der Klimakatastrophe spielen. Wohin kann mal also diese zusätzlichen Bäume pflanzen?
Rund um die Stadt sind viele Grasflächen, die für Baumpflanzungen geeignet wären. Entlang der Stadtbahn, der Straßen und Fahrradwege, überall da, wo nachweislich „nur“ Gras wächst aber keine schützenswerte Pflanzenarten. Das hört sich nicht ambitioniert an, summiert man aber diese kleinen Flächen, kommt ein nicht unbeträchtlicher Baumzuwachs zusammen.
Dies hätte viele Vorteile: Nach einigen Jahren Wachstums würden diese Bäume das Mikroklima in den Stadtteilen deutlich verbessern. Das kann jeder erfahren, der in heißen Sommermonaten ein Plätzchen im Freien sucht, an dem es sich aushalten lässt. Und das ist unter einem schattigen Baum der Fall. 

An Radwegen gepflanzt, bieten Baumgrüppchen auch an extremen Hitzetagen Abkühlung für die Radfahrer*in.
Jeder einzelne Baum der gepflanzt wird, entzieht der Atmosphäre durch sein Wachstum Kohlenstoffdioxid. Wenn statt fremder Baumarten geeignete heimische Baumarten gepflanzt werden, sind diese Bäume wertvolle Biotope für allerlei Arten von Kleinstlebewesen und Vögel. Die europäische Eiche, beispielsweise, entwickelt sich freistehend ganz prächtig und kann unter bestimmten Bedingungen und mit den passenden Nachbarn, wie z.B. Hainbuchen, auch langen Trockenphasen trotzen.

LS und MB


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