Geld und Wald

13. August 2019  Allgemein

CDU-Minister Hauk ist momentan auf Katastrophentour durch die heimischen Wälder. Obwohl, was heißt eigentlich Wälder? Die monotonen, nicht selten in Reih und Glied angepflanzten Nutzholzäcker verdienen diesen Namen wohl kaum. Im kürzlich fürchterlich zugerichteten Hardtwald, südlich von Karlsruhe, schwadroniert Hauk gegen die Vorschläge von Umweltministerin Schulz. Hauk will keine Diskussion darüber, welchen Wald wir  in Zukunft brauchen. Den Vorschlag von Svenja Schulz, den Wald wieder zu einem natürlichen Wald zu machen, wischt er weg. Genau diese Diskussion brauchen wir aber. Hauk spricht sich dafür aus Douglasien, Tulpenbäume oder Roteichen anzupflanzen. Diese Baumarten stammen aber allesamt aus Nordamerika und sind für unsere heimische Insektenwelt nahezu nutzlos. Aber das stört den „Forstminister“ nicht. Denn es sei ja nicht schädlich, wenn mit dem Wald gewirtschaftet wird, im Gegenteil. „Geschlagene Bäume speichern CO2 und leisten damit einen wichtigen Beitrag für das Klima. Damit auch noch Geld zu verdienen, ist keine Schande.“, zitieren ihn die Stuttgarter Nachrichten vom 12.08.19

Gerade das ist das Problem des Waldes: Nahezu ausschließlich nach ökonomischen Interessen wurde in den letzten 100 Jahren Waldpolitik betrieben. Das Ergebnis dieses geplünderten Plantagenwalds können wir heute im Hardtwald besichtigen. Den Fichten wurden, dort und anderswo, mit langen Astsägen viele Meter hoch die Äste abgesägt, weil man damit astreines, gut verkäufliches Holz, wie es im Schwarzwald vorkommt, haben wollte. Was tun wohl die mächtigen Stürme unserer und der zukünftigen Zeit mit solchen Streichholzbäumen? 

Wenn man mal einen genaueren Blick auf die finanzielle Ausbeute dieser verlorenen Jahre wirft, kann man wenig Gemeinden finden, die unterm Strich richtig Geld mit ihrer Waldwirtschaft einstreichen konnten. Die meisten anderen schadeten dem Wald und machten doch keinen Gewinn oder bereicherten sich mit dem Verkauf von alten, wertvollen Beständen ohne ihren Nachkommen Vergleichbares zu hinterlassen.

Minister Hauk erklärt auch, er wolle die „uralte deutsche Eiche“ in die Wälder zurückholen. Hauk täuscht sich, wenn er glaubt, man könne sich einfach so einen deutschen Märchenwald hinpflanzen. Denn Eichen brauchen bestimmte Standortbedingungen um einen langfristig gesunden Wald darzustellen. Ob das in Zukunft mit extremen Trockenzeiten überhaupt möglich ist, ist fraglich. Damit wirft er alles zusammen: Was will er denn nun? Weiter so, wie bisher, fast nur Nutzwald, dessen Holz zusätzlich einfach auch noch als Co2-Speicher deklariert wird, oder einen Wald, der sich wieder erholt und der der Klimakatastrophe trotzen kann?

Vielleicht sollte Hauk einmal in den Bayerischen Wald fahren, wo ein grundlegender Wandel im Wald stattgefunden hat. Gegen den anfänglich mächtigen Widerstand aus der bayrischen Regierung und vieler sogenannter Waldexperten, wurde dort konsequent auf einen sich selbst regenerierenden Wald gesetzt. Der Borkenkäfer fraß erst einmal alles weg, was dort so monoton herumstand und nicht hingehörte. Jetzt kommt langsam aber nachhaltig ein naturnaher Wald zum Vorschein. Ein wilder Wald, ein wirklicher Wald.


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